Mäuseplage in der VIP DB-Lounge – Hamburger Hauptbahnhof

09.04.2022
Die lange Leitung der Deutschen Bahn AG

oder
wie man seine Mitarbeiter für „dumm“ verkauft

In der Hamburger DB-Lounge gibt es seit vielen Jahren Mäuse.
Seit dem Umbau sind aus einzelnen Mäusen ganze Kohorten geworden, die zwischen den Füßen der Reisenden herumwuseln. Das Spektrum reicht von der grauen, wohlgenährten Hausmaus (Mus musculus) über die Gelbhalsmaus (Apodemus flavicollis) bis zur Waldmaus (Apodemus sylvaticus). Die den gefährlichen Hantavirus übertragende Rötelmaus (Myodes glareolus) wurde glücklicherweise bislang noch nicht gesichtet.
Die seit vielen Jahren aufgestellten Giftfallen haben sich als weitgehend nutzlos erwiesen. Denn die Mäuse sind intelligente Tiere und der Giftgeruch, den ein vergifteter Mäusekollege einige Tage ausströmt, lässt alle anderen Mäuse einen großen Umweg um die aufgestellten und gleich riechenden Giftfallen machen.
Nun hat ein hilfsbereiter und Mäuse-erfahrener Reisende den Mitarbeiter der Lounge aus seinem eigenen Bestand sogenannte Lockmittelträger samt Lockmittel mitgebracht. Das sind kleine Kunststoffplättchen, auf die das auch für den Menschen äußerst wohlschmeckende und natürlich ungiftige Schokoladen-Nuss-Nougat-Lockmittel in kleinen Tröpfchen aufgebracht wird. Verteilt man diese Plättchen im Raum, erkennt man an den abgeschleckten Lockmitteln relativ schnell die bevorzugten Verkehrswege und Aufenthaltsorte der Mäuse.

Da sich die Mäuse an diese Köstlichkeit sehr schnell gewöhnen, braucht man dann nur noch die betreffenden Lockmittelträger in eine Falle zu legen und kann absolut sicher sein, dass die Mäuse ohne Argwohn dort hinein spazieren und anschließend bequem abtransportiert werden können.

Doch die Deutsche Bahn wäre nicht die Deutsche Bahn, wenn die Mitarbeiter der Hamburger Lounge die leckeren und absolut ungiftigen Schoko-Nuss-Nougat-Plättchen zur Mäuse-Verkehrswege-Bestimmung unverzüglich ausgelegt hätten.
Das dürfen die nämlich gar nicht, weil für alle über den normalen Dienst hinausgehende Tätigkeiten eine schriftliche Genehmigung aus der DB-Zentrale in Berlin erforderlich ist, die – wen wundert’s – auch noch nach Tagen noch nicht eingetroffen ist, so sie denn überhaupt irgendwann eintrifft.

Schließlich ist das Abwarten, bis sich das Problem von alleine löst, der durchaus übliche Weg der Deutschen Bahn AG. Ist doch der Schnee, der sich am 31. März 2022 zur Verhinderung des Zugverkehrs völlig überraschend auf die Gleise gelegt hatte, auch von alleine wieder verschwunden.

Demnach beweisen die in der DB-Lounge befindlichen Mäuse seit Jahren, dass sie wohl um einiges intelligenter als die Verantwortlichen der DB sein müssen und das Aussitzen von Problemen bei der DB nicht immer funktioniert.
Wir beobachten diese „Story“ weiter und werden auch bald über die Taubenplage im Bahnhof Altona berichten.