Wie der Deutschlandtakt am Bahnhof Diebstech scheitert – Pressekonferenz am 27.06.2022

 Agentur für Pressekonferenz München
Pressekonferenz am Montag, den 27.06.2022 –> 11 Uhr
Großer Saal der Werkstatt 3_international
Nernstweg 34

Informationen zurPrellbock – Pressekonferenz am 27.06.2022

Unter diesem Titel hat Prellbock-Altona e.V. am 27.6.22 eine gut besuchte Pressekonferenz veranstaltet, um die Ergebnisse einer Studie vorzustellen, in der auf Basis des 3. Zielfahrplanentwurfs des Deutschlandtakts alle für den geplanten Fern- und Regionalbahnhof Diebsteich vorgesehenen Züge minutengenau und unter Einhaltung der Betriebsvorschriften der Deutschen Bahn (DB) simuliert wurden.
Das Ergebnis ist niederschmetternd.
Mit den nur 6 geplanten Bahnsteigkanten wird der Bahnhof regelmäßig „zulaufen“, wie es im Eisenbahnerdeutsch so heißt, d. h. er wird zu einer Quelle permanenter Verspätungen im Fern- und Regionalverkehr.
Dies heißt nichts anderes als dass Diebsteich zu einer Engpassstelle im sogenannten Hochleistungsnetz der Deutschen Bahn wird.
Der jetzige Bahnhof Altona war das nie, vielmehr diente er zur Entlastung des Hauptbahnhofs bei Baumaßnahmen, Störfällen und Verspätungen. 
Fazit: Mit Diebsteich wird der Deutschlandtakt nicht funktionieren. 

Die DB zeigt sich von den Ergebnissen solcher Untersuchungen unbeeindruckt.
Gebetsmühlen­artig wird von ihr und dem Bundesverkehrsministerium behauptet, der neue Bahnhof am Diebsteich werde leistungsfähiger als der heutige Bahnhof Altona sein.
Mit dem neuen Bahnhof sei man fit für den Deutschlandtakt 2030, der das Angebot der Bahn erheblich verbessern und die Reise- und Umsteigezeiten verkürzen soll. Aber das von der Schweizer Consultingfirma SMA erstellte Gutachten, das die Leistungsfähigkeit von Diebsteich beweisen soll, wird seit zweieinhalb Jahren hermetisch unter Verschluss gehalten und noch nicht einmal den Mitgliedern der Hamburger Bürgerschaft  zugänglich gemacht.

 

Unsere Untersuchung hat angesichts der am 22.06.22 von Bahnchef Lutz und dem Bundesverkehrsminister Wissing der Presse vorgestellten
neuen Sanierungsstrategie für das Kernnetz der gemeinwohlorientierten Bahn-Infrastrukturgesellschaft,
in die zum 01.01.2024 die jetzigen Aktivitäten von DB-Netz und DB-Station & Service überführt werden sollen, erhöhte Aktualität.

 

Nach den ersten noch relativ unkonkreten Aussagen von Lutz und Wissing bedeutet die neue Strategie eine radikale Abkehr von der Politik
des ehemaligen Bahnchefs Mehdorn, die das Ziel hatte, massiv Bahninfrastruktur abzubauen, um damit die „Produktivität“
des verbleibenden Netzes zu steigern. So sollten ursprünglich von den 148 Weichen im jetzigen Bahnhof Altona nur noch 48 übrigbleiben.
Nach Diskussionen u. a. auch mit Prellbock, der immer auf das Problem des Abbaus von Bahninfrastruktur hingewiesen hat, sollen nun 21 Weichen am Diebsteich zusätzlich eingebaut werden.
Allerdings liegen noch keine Pläne öffentlich dafür vor, geschweige denn eine Genehmigung.

 
Sollte der Strategiewechsel von Lutz und Wissing ernst gemeint sein, dass der Strecken­sanierung absoluter Vorrang
vor ambitionierten und umstrittenen Neubauprojekten u.a. von Hochgeschwindigkeitstrecken einzuräumen ist, dann erfordert dies auch umgehend Konsequenzen für das Diebsteich-Projekt.
Denn Diebsteich soll nach veralteten Plänen gebaut werden, deren Grundidee noch aus der Ära von Mehdorn als Bahnchef stammen.
Damals gab es weder die Idee des Deutschlandtaktes noch die Vorgaben zur Fahrgaststeigerung durch das Programm „Starke Schiene“ noch gab es Vorgaben zum Thema Klimaschutz und
CO2 Vermeidung.
Ebenso finden die derzeit beauftragten Machbarkeitsstudien

  • 2. Eisenbahn-Elbquerung im Hamburger Westen,
  • Verbindungsbahnentlastungstunnel (VET)
  • Nutzung der Güterumgehungsbahn für den Personennahverkehr

keine Berücksichtigung in den Bauplänen für Diebsteich.
Aber diese Projekte erzwingen eine komplette Änderung dieses Bahnhofs.
Im schlimmste Fall muss der Bahnhof kurz nach Neubau wieder abgerissen oder komplett umgebaut werden.
Auf jeden Fall wird er ein neuer Engpass im Hochleistungsnetz der DB.
Somit birgt das Diebsteich-Projekt die Gefahr, zum Stuttgart 21 bzw. BER von Hamburg zu werden.

 

Daher fordert Prellbock Altona e.V.: 
Sofortiger Baustopp für Diebsteich und Sanierung des bei den Fahrgästen beliebten und einzig voll barrierefreien Fern- und Regionalbahnhofs Altona.
Denn das geht schneller, billiger und Klima schonender.

  • Der jetzige Bahnhof Altona zeigt gerade spielend, wie leistungsstark er bei den +70% mehr Fahrgastzahlen durch das 9€ Ticket ist.
  • Die Deutsche Bahn selbst verweist 9€ – Reisende im DB-Navigator auf den starken Bahnhof Altona.
  • Seit 11.06.2022 fahren jetzt auch die Dänemark-Züge regelhaft ab Altona.
  • Am 01.09.2022 startet der tägliche Nachtzug der schwedischen Staatsbahn ab Altona nach Stockholm.
  • Dazu kommen derzeitig ausgebuchte Autoreisezüge.

 

Dazu Michael Jung, Sprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona e. V.:
„Stadt und Bahn müssen endlich die Zeichen der Zeit erkennen und sich von unrealistischen Großprojekten
verabschieden. Bauen alleine hilft nicht, wenn das Falsche gebaut wird. Durch die personellen Veränderungen im Bahnvorstand und Aufsichtsrat besteht jetzt die Chance, auf einen Neuanfang und sich von aus der Zeit  gefallenen Altprojekten zu trennen. Prellbock steht für diesen Dialog zur Verfügung.“
 
 
 
 
Michael JungSprecher der Bürgerinitiative Prellbock Altona  e. V.
Für starken Umwelt- und Klimaschutz  
Verkehrswende – starke Schiene für Hamburg 
Für mehr Fahrgastkomfort mitten in der Stadt

Besuchen Sie uns auf der Altonale am 02. und 03.Juli 2022

 

2 thoughts on “Wie der Deutschlandtakt am Bahnhof Diebstech scheitert – Pressekonferenz am 27.06.2022

  1. Das war bis jetzt die ausführlichste Stellungnahme von Prellbock zum Thema, warum das Projekt Diebsteich Wahnsinn ist. Allerdings beschränken sich diese Gedanken auf das Bahngelände (Bahnsteigkanten, Gleise usw.). Das wäre noch um den zweiten, allerdings hinlänglich bekannten Aspekt des Umfelds zu ergänzen, nämlich dass allein der Standort des neuen Bahnhofs Schwachsinn ist:
    – Er befindet sich buchstäblich in der Pampa, einer verkehrstechnisch völlig uninteressanten Gegend.
    – Es gibt hier keine Infrastruktur bzw. sie müsste erst noch aufwändig geschaffen werden.
    – Interessant würde der Standort erst, wenn das angedachte Umfeld realisiert ist (Stadion, Sportanlage, Konzerthalle, Hotel, Büros usw.).
    – Selbst dann beschränkt sich das Interessante an dem Standort noch auf diese neuen Highlights, während der alte Bahnhof Altona allein schon durch seine Lage mitten im Geschehen und im Herzen Altonas seine Existenzberechtigung hat – auch ohne ausgesprochene Highlights!

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